Interaktive Stellenanzeigen – Revolutionäre Neuheit oder Modeerscheinung?

Laut einer aktuellen Studie, in der die 1000 größten Unternehmen Deutschlands zu wichtigen Fragestellungen des modernen Recruitings befragt wurden, erkennen mittlerweile drei Viertel der Befragten, dass dynamische Inhalte in einer Stellenanzeige zu einer erhöhten Aufmerksamkeit der Stellensuchenden führen. Doch was heißt das? Bewegen wir uns in ein neues Zeitalter der „interaktiven“ Stellenanzeige? Eher nicht. Aber warum?

Rückblick:

Ich beginne mit meiner Recherche über Google. Stichworte wie „animierte Stellenanzeige“ oder „dynamische Stellenanzeige“ geben wenig Aufschluss über den derzeitigen Stand. Ein wenig graben ergibt dann doch noch einen Treffer – aus dem Jahre 2012. Zitat: “Interaktive Stellenanzeigen könnten ein Standard für die Zukunft der Stellenbörsen im Internet werden, da sind sich viele Experten einig. Die Vorteile für Unternehmen: Sie können mehr Inhalt in verschiedenen Gestaltungsvarianten anbieten. Mehr Inhalt und Text erhöhe auch die Chance, in Suchmaschinen weit oben gelistet und gefunden zu werden {…}.“

Jaja, wenn nur das Wörtchen „könnten“ nicht wäre. War 2012 wohl schon eine ziemlich wackelige Angelegenheit, das ganze Thema. Aber immerhin, einen Mehrwert hat diese Aussage für mich: Einen neuen Suchbegriff für Google! Auf geht´s Google, suche mir Beiträge zu „interaktive Stellenanzeige“. Et voilà, viele, viele Beiträge (naja, eigentlich nur acht, aber immerhin…) zum Thema „interaktive Stellenanzeige“ – aber: erneut aus dem Jahre 2012…???

Frage:

Warum hat sich seit 2012 nichts mehr getan bzw. finden sich nur sehr wenige Informationen zu diesem Thema? Schaut man sich die Artikel etwas genauer an, so fällt auf, dass sich durchaus namhafte Unternehmen, Jobbörsen und Agenturen à la Kienbaum, Westpress und Stepstone diesem Thema angenommen und durchaus akzeptable Ergebnisse auf die Beine gestellt haben. Stellt sich die Frage, warum nicht mehr als ein kurzes Aufblitzen zustande kam? Um diese Frage zu beantworten, drängt sich mir eine weitere Frage auf: Welchen Mehrwert bietet mir eine „interaktive Stellenanzeige“ und unterscheidet sie sich im Kern eigentlich von der klassischen Stellenanzeige? Nein, eigentlich nicht. Denn letzten Endes hat die Stellenanzeige – ob interaktiv, animiert, dynamisch oder einfach nur Standard – eine Funktion: Relevante stellen- und unternehmensspezifische Informationen zur Verfügung zu stellen, um die (Arbeitnehmer-)Zielgruppe zur Bewerbung zu animieren.

Wie ich das erreiche, d. h. wie viele Informationen auf welche Art und Weise in einer Stellenanzeige bereit gestellt werden, hängt von der Charakteristik der Zielgruppe ab und sollte aus diesem Grund für jedes Unternehmen individuell und nicht pauschal bestimmt werden. Fazit: Meines Erachtens wurde dem Kind mal wieder nur ein neuer Name gegeben, wirkliche Veränderungen, gar Revolutionen, haben nicht stattgefunden. Aber vielleicht ist das auch nicht immer notwendig. Probleme lösen sich nicht dadurch, das Rad immer wieder neu zu erfinden – dasselbe Auto fährt dadurch nicht schneller. Wichtig ist zu erkennen, wo im Unternehmen die Stärken und Potenziale liegen, um diese zielgerichtet einzusetzen. Eine dynamische Stellenanzeige kann einen Mehrwert darstellen, wenn Sie im Mix der Personalgewinnungsinstrumente richtig eingesetzt wird. Schlussendlich muss man aber nicht auf jeder neuen Welle reiten.

Es kann genauso hilfreich sein, sich einfach mal Zeit zu nehmen und die eigenen vorhandenen Instrumente zu prüfen und optimal einzusetzen.

René Jacobsen

Verfasser des Artikels: René Jacobsen

René Jacobsen arbeitet seit 2014 bei d.vinci und berät Kunden zum Thema Recruiting-Lösungen. René Jacobsen beantwortet Rückfragen gerne unter: +49 (0) 40 37 47 99 15

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