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d.vinci Trend-Reihe: Work-Life-Blending

Seit nun über einem Jahr begleitet uns die Situation des verstärkten Mobile Office und das damit verbundene Verschwimmen von Privat- und Berufsleben.

d.vinci Trend-Reihe: Work-Life-Blending

Damit bezeichnet man das sogenannte Work-Life-Blending: Chance und Herausforderung zugleich. Was das genau ist und was das für uns alle bedeutet, erfahren Sie in diesem Artikel.

Klassische Beispiele für Work-Life-Blending sind z.B.

  • Berufliches wird auch nach Feierabend erledigt (der Rechner steht sowieso zuhause, dann ist der Weg dorthin nach dem Abendessen nicht weit, um noch mal die E-Mails zu checken)
  • Die Freizeit wird auch mit Arbeitskollegen/Arbeitskolleginnen verbracht
  • Die Arbeitszeit zuhause verschwimmt und man erledigt Privates auch mal nebenbei
  • Die Mittagspause wird für private Erledigungen verlängert, dafür werden abends noch E-Mails beantwortet

Wie bei jeder Veränderung, gibt es auch hier zwei Seiten zu betrachten: Die Chancen und die Risiken

Chancen:

  • Familie und Beruf besser vereinen
  • Dann arbeiten, wenn man am produktivsten ist
  • Privatleben und Arbeitszeiten besser vereinen
  • Mehr Flexibilität und dadurch mehr Motivation

Risiken:

  • Arbeitszeiten werden nicht mehr kontrolliert und können zu Lasten des Arbeitnehmers gehen
  • Vergessen von Pausen, da das Arbeitsvolumen durch die Kombination von Privaten und beruflichen To Dos sehr groß ist
  • Keinerlei Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben
  • Ein Jobverlust kann einen dann umso mehr aus der Bahn werfen

Ergebnisse eines funktionierenden Work-Life-Blendings

Wenn ein Mitarbeiter selbst über seine Arbeitszeit und seinen Arbeitsort bestimmen kann, führt das dazu, dass sich Mitarbeiter als Fachkräfte ernst genommen fühlen und dadurch motivierter und produktiver sind. Gerade kreative Arbeit funktioniert oft nicht auf Knopfdruck, sondern die besten Gedanken können auch zwischendurch kommen. Funktioniert das Modell des Work-Life-Blendings, entsteht dadurch mehr Rücksicht auf die Individualität. Jemand der lieber länger schläft, kann einfach später anfangen zu arbeiten, und arbeitet dafür aber vielleicht auch noch abends um 21 Uhr. Gerade bei Berufen in denen keine dauerhafte Abstimmung notwendig ist oder ohnehin ein Großteil der Zeit aus konzentrierter Alleinarbeit besteht, kann das für den Arbeitenden bereichernd sein.

Funktionieren tut gutes Work-Life-Blending nur mit einer hohen Akzeptanz auf Seiten des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber muss Verständnis dafür aufbringen, dass Teammitglieder auch mal später anfangen zu arbeiten, ihre Mittagspause verlängern oder während der Arbeitszeit privat telefonieren. Gleichzeitig muss dem Arbeitnehmer aber klar sein, dass seine Arbeit nicht liegen bleiben sollte, und er im Zweifel dann abends noch mal eine Stunde Arbeit nachholt. Dafür genießt er aber mehr Flexibilität, gerade wenn er, wie jetzt, von zuhause arbeitet und der Haushalt nebenbei erledigt werden kann. Genau das beschreibt nämlich das Potential eines effektiven Work-Life-Blendings.

Weiterhin wichtig bleibt:

  • Eine gute Struktur: Auch wenn das Arbeiten von unterwegs und zwischendurch möglich ist, sollte man seinen Tag einteilen und nicht dauerhaft ein bisschen arbeiten. Arbeiten Sie trotzdem mit festen Zeitfenstern, auch um eine bessere Abstimmung mit den anderen Teammitgliedern zu ermöglichen. Gerade für gemeinsame Meetings sind Kernzeiten unerlässlich.
  • Erreichbarkeit: Entscheiden Sie selbst darüber, wie stark Sie erreichbar sein möchten. Wenn der Laptop abends um 18 Uhr aus ist, dann ist er aus. Dann müssen Sie auch keine Anrufe mehr entgegennehmen. Tun Sie das trotzdem, ist das Ihre eigene Entscheidung. Hilfreich kann es sein, z.B. den Kalender zu pflegen und die gängige Arbeitszeit bzw. Anwesenheiten einzutragen.

Capterra hat kürzlich zum Thema Work-Life-Blending eine Studie veröffentlicht, weil sie wissen wollten, wie Mitarbeiter mit der derzeitigen Situation zurechtkommen. Sie befragten 2800 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • 53 % der Mitarbeiter im Home-Office beantworten berufliche Anrufe vor oder nach den Arbeitszeiten, 48 % arbeiten am Wochenende.
  • Die Work-Life-Balance wird von zu Hause besser bewertet, die Sichtbarkeit der Arbeit und Karriereentwicklungen jedoch schlechter.
  • 54 % der Arbeitgeber haben nicht mit ihren Mitarbeitern über ihr psychisches Wohlbefinden gesprochen.
  • 44 % der Angestellten erleben zu einem gewissen Grad ein Burnout, seit sie im Home-Office arbeiten.

Die Studie zeigt deutlich, dass die Work-Life-Balance durch die Flexibilität der Arbeitszeit stark zugenommen hat; sie deutet aber auch auf die Risiken hin, wie z.B. dass die Karriereentwicklung nicht mehr gut sichtbar ist und dass Beziehungen zu den Kollegen leiden.

An dieser Stelle ist es also umso wichtiger, offene Gespräche zu führen und vor allem Formate zu etablieren, die den Austausch und die Kommunikation auch neben der Arbeit fördern (z.B. virtueller Spieleabend). Und: Ohne Absprachen funktioniert es nicht. Fühlt sich jemand gestresster, weil er das Gefühl hat, er kann sein Privatleben nicht mehr von der Arbeit trennen, muss er das ansprechen. Es können Regelungen getroffen werden, ab wann der Rechner ausgemacht werden darf und wann keine Anrufe mehr entgegengenommen werden müssen. Außerdem können Tools helfen, sich selbst zu organisieren. Laut der Capterra-Studie nutzen 65% der Mitarbeiter ein oder mehrere Tools für die persönliche Organisation. Hier geht’s zur ganzen Studie inklusive Infografiken.

Quellen:

https://www.askdante.com/de/blog/work-life-blending/#:~:text=Unter%20Work%2DLife%2DBlending%20versteht,Freizeit%20mit%20den%20Kollegen%20verbracht.

https://karrierebibel.de/work-life-blending/

https://www.capterra.com.de/blog/1934/work-life-blending

© Bild: Pexels, Anna Shvets

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