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Gendern bei d.vinci: Mehr als nur sprachliche Anpassung

An genderneutraler Sprache kommt man mittlerweile, gerade in der Arbeitswelt, kaum noch vorbei.

Gendern bei d.vinci: Mehr als nur sprachliche Anpassung

Überall findet man geschlechtliche, sprachliche Anpassungen in Form von _in, *in oder :in, dem Plural oder neutrale Begriffe wie Teammitglied statt Kollege. Auch wir haben uns bereits im Frühjahr dazu entschieden, durch die Nutzung von genderneutraler Sprache ein Zeichen für Offenheit und Diversität zu setzen. Hier ist unsere Geschichte.

Als wir uns dazu entschieden haben, zukünftig genderneutrale Sprache zu verwenden, beschränkte sich dies zunächst auf noch entstehende Blogartikel. Wir merkten dann aber schnell, dass dies nicht wirklich konsequent war. Also versuchten wir auch in den sozialen Medien darauf zu achten – dort eben nicht nur in den Texten, sondern dies auch in den zugehörigen Grafiken anzupassen. Das funktionierte eine Weile ganz gut, wir beschlossen aber recht zügig, parallel auch die Website zu neutralisieren.

Dafür hat unsere liebe Marketing-Kollegin Hanna sich jegliche Texte auf der Website vorgenommen und neutrale Begriffe eingepflegt. Für zukünftige Überarbeitungen von Texten hat sie währenddessen eine Liste mit Begrifflichkeiten erstellt, die gut bei Unsicherheiten verwendet werden können. Ein paar Tipps und Hilfestellungen geben wir noch weiter unten im Text. Wir sind uns in jedem Fall ganz sicher, dass wir mit der Verwendung von genderneutraler Sprache ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen möchten.

Herausforderungen beim Gendern

Auch wenn das nachträgliche Gendern gut funktioniert hat, haben wir schon an vielen Stellen gemerkt, dass es nicht damit getan ist, nur ein :in an Wörter zu hängen. Wobei wir bewusst für die Variante mit dem Doppelpunkt entschieden haben, weil dieser barrierefrei ist, also auch durch automatische Vorlesesysteme gelesen werden kann.

Wir stoßen aber immer wieder auf grammatikalische Herausforderungen. Wenn wir von „ein:e Kolleg:in“ sprechen, liest sich das noch recht flüssig. Ändern wir den Satz allerdings zu „Das Buch einer/eines Kolleg:in“ wird es schon schwieriger, weil beide Begriffe vor dem Nomen ausgeschrieben werden müssen. Grammatikalisch kann es also noch viel schwieriger werden.

Zudem standen oder stehen wir vor der Herausforderung zu entscheiden, welche Tragweite die genderneutrale Sprache für uns hat. Die Websitetexte anzupassen und zukünftig in Blogartikeln zu gendern, scheint vermeintlich einfach. Aber wenn wir konsequent sind, müssten wir auch alle anderen Texte, Dokumente und Systeme anpassen. Und damit eben auch unsere d.vinci Software. Da wir gerade eine dritte Software entwickeln, haben wir zunächst überlegt, die genderneutrale Sprache dort einzubauen. Dafür haben wir ein großes Team mit jeweils einem/einer Vertreter:in aus jeder Abteilung gegründet, die und Vor- und Nachteile abgewogen und Begrifflichkeiten gesammelt, die funktionieren können. Wir haben mittlerweile die Entscheidung gefällt, das Gendern dort konsequent anzuwenden. Aber auch damit sind wir noch lange nicht am Ziel, sondern tasten uns langsam vor. Und auch dann kann es passieren, dass wir irgendwo eine falsche Entscheidung treffen und einen Schritt zurückgehen müssen.  

Ganz generell ist es bei der Thematik des Genderns genau wie bei allen anderen Dingen, die mit Werten und Kultur zu tun haben: Es muss in die Köpfe, um es konsequent und stringent zu machen. Und daran arbeiten wir gerade. Wir haben noch immer Stolpersteine auf dem Weg und stoßen immer wieder auf schwierige Situationen, bei denen viele unsicher sind, wie sie es jetzt „richtig“ machen. Vielleicht gibt es aber auch kein „richtig“, sondern nur ein „wir sind auf dem Weg“. Wir können mit Sicherheit sagen, dass wir nach wie vor auf Impulse und Tipps von außen angewiesen sind. Wir schauen uns viel um, wie andere das machen. Wir möchten aber auch nicht nur mit genderneutraler Sprache etwas für Diversität und Offenheit tun, sondern an vielen Stellen. Wir haben beispielsweise vor einigen Monaten unsere HR-Abteilung in People & Culture umbenannt, um Akzeptanz und Offenheit für alle Personen zu signalisieren. Wir versuchen an vielen Stellen zu zeigen, dass es bei d.vinci nicht auf einen straighten, perfekten Bildungsweg ankommt, sondern darauf, dass man Spaß hat an dem was man tut. Bei d.vinci kann jeder so sein wie er ist und muss sich nicht verstellen.

Gendern im Alltag bei d.vinci

Genau das oben Beschriebene, dass wir sein können wie wir sind, hat dazu geführt, dass wir beim Gendern früh gemerkt haben, dass wir dies nicht nach einem straffen Konzept oder Plan tun wollen, sondern nach unseren eigenen Regeln – so wie sich jede:r damit wohlfühlt. Das haben wir auf einer Seite in unserem internen Confluence festgehalten, wo man bei Unsicherheit nachschauen kann. Aber genau das kann eben auch zu Schwierigkeiten führen, weil sich viele ein festes Regelwerk wünschen, um es konsequent umzusetzen und nicht bei jeder E-Mail überlegne zu müssen, wie die E-Mail jetzt korrekt aussehen müsste.

Wir haben aber zumindest ein Grundgerüst aufgestellt, welches beispielsweise aufzeigt, dass wir Benennungen gendern, die Menschen/Personen referenzieren, beispielsweise: „Der Administrator“ wird zu „Die administrierende Person“ oder „der/die Administrator:in“. Wir gendern allerdings keine Begriffe, die geschlechtslose Entitäten referenzieren, beispielsweise „Der Arbeitgeber“. Arbeitgeber steht in diesem Fall nicht zwangsläufig für eine männliche Person, sondern einfach für das Unternehmen. Aber auch hier lernen wir mit jeder Anwendung.

Wir hatten kürzlich die Situation, dass wir kurzfristig ein Wort neutral ausdrücken wollten: Es ging um den Begriff „Blacklist“, der als durchaus diskriminierend empfunden werden kann. In diesem Fall ging es nicht um eine geschlechtliche Anpassung, sondern darum, keinen rassistischen Hintergrund bei Begrifflichkeiten zu unterstützen: Die Hautfarbe stand in diesem Fall für etwas schlechtes und abstoßendes – also haben wir haben uns recht schnell dazu entschieden, die Blacklist einfach in „Blocklist“ umzubenennen, was tadellos funktioniert hat und ein gutes Beispiel dafür ist, dass neutrale Sprache nicht unbedingt unnatürlich wirken muss.

Wir wissen aber genauso, dass es nicht immer so unkompliziert ist und wir definitiv noch nicht am Ende sind, sondern immer noch lernen. Es sind bei Weitem noch nicht alle Dokumente neutral formuliert und auch alte Blogartikel sind nicht von heute auf morgen gegendert. Das ist aber völlig ok wir uns, denn manche Dinge entwickeln sich eben erst. Es passiert uns immer mal wieder, dass wir Begriffe im Newsletter oder auf Social Media vergessen zu gendern – das ist aber kein Beinbruch, sondern ein Learning für‘s nächste Mal.

Wie finden die d.vincis das Gendern?

Wir haben im Oktober 2021 eine Umfrage zum Gendern bei der d.vinci-Belegschaft gestartet und Antworten eingesammelt, wie das Thema empfunden wird und ob es Tipps und Ideen zur (besseren) Umsetzung gibt.

Tatsächlich ist die Meinung zum Gendern bei d.vinci eher zwiegespalten. Die meisten befürworten die Entwicklung zwar grundsätzlich, finden aber auch, dass genderneutrale Sprache den Lesefluss erschwert und es beim Sprechen teilweise unnatürlich wirkt.

Ein großer Kritikpunkt ist, dass es noch keine allgemeingültige Schreibweise zu geben scheint. Jeder gendert nach bestem Wissen und Gewissen – mal mit einem * mal mit : oder _.

Viele d.vincis sind sich ihrer Verantwortung in ihrer Rolle „HR“ bewusst und sind sich daher einig, dass wir gendern sollten, um ein Zeichen zu setzen und zeitgemäß zu kommunizieren. Zeitgleich steht der störende Aspekt der Umständlichkeit beim Schreiben und Sprechen im Raum.

Wir sind uns auch bewusst, dass wir durch ein Gendersternchen oder Doppelpunkt nicht die eigentlichen Probleme beispielsweise des Gender-Pay-Gaps lösen, möchten aber mit kleinen Schritten vorangehen. Zudem wissen wir, dass auch wir das Gendern noch nicht perfekt umsetzen – beispielsweise sind das d.vinci Bewerbermanagement und d.vinci Onboarding noch nicht genderneutral formuliert.

Wenn man die konkreten Bewertungen der Umfrage betrachtet, ist die Meinung zum und gegen das Gendern etwa 50:50. Einige denken sogar, dass die aktuelle Entwicklung nur eine kurze Modeerscheinung ist und schnell wieder verschwinden wird. Andere hingegen sind sich sicher, dass sich neutrale Sprache durchsetzen wird.

Einige Kolleg:innen geben den Tipp, eher neutrale Formulierungen wie beispielsweise Teammitglied statt Kolleg:in zu benutzen oder sogar beide Varianten auszuschreiben: Kollegen und Kolleginnen. Das würde den Lesefluss weniger stören.

Tipps für Ihre genderneutrale Sprache

Hier eine Liste an Begriffen, die wir über die letzten Monate erarbeitet haben und gerne verwenden, um neutral zu kommunizieren. Vielleicht hilft Ihnen die Liste ebenso wie uns.

Neutrale Begriffe

  • Administrierende
  • Benutzende
  • Bewerbende
  • Genehmigende
  • Mitarbeitende
  • Verantwortliche (von Ausschreibungen)
  • Vorgesetzte
  • Zuständige
  • Arbeits-/Fachkraft
  • Team(-mitglied)
  • Person
  • (Fach-)Personal
  • Leitung
  • Angestellte
  • Coach
  • Belegschaft

Rückfrage oder Anmerkungen?

Sie haben Anmerkungen zum Gendern generell oder wie wir das bei d.vinci machen? Dann melden Sie sich gerne per E-Mail an marketing@dvinci.de . Wir freuen uns über jeglichen Input und auf einen spannenden Austausch!

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