Lokalisierung (Software-Entwicklung)

Lokalisierung bedeutet, die Software anzupassen an die sprachlichen und kulturellen Anforderungen des jeweiligen Einsatzortes.

Lokalisierung (Software-Entwicklung)

Mit der Lokalisierung gehen ungeahnte Herausforderungen einher. Ein paar Beispiele:

  • d.vinci wird auf Englisch entwickelt. Englisch verfügt über viele Fachwörter und Abkürzungen und kann häufig mit wenigen Wörtern ausdrücken, wofür manch andere Sprache halbe Sätze benötigt. Die Länge der Benennungen kann sich auf das Layout der Software auswirken. Z. B. hat der Feldname „HR Contact“ insgesamt 10 Zeichen (inkl. Leerzeichen). Die deutsche Übersetzung „Ansprechpartner Personalabteilung“ hat bereits 33 Zeichen, die slowenische Übersetzung „Stik za upravljanje s človeškimi viri“ sogar 37 Zeichen. Bislang verzichten wir auf Zeichenbegrenzungen, zugunsten von Verständlichkeit. Wir wissen aber nicht, welche Sprachen in Zukunft beauftragt werden und können die potentiellen Auswirkungen nicht schon während der Entwicklung antizipieren.
  • d.vinci ist rechtsläufig konzipiert – wird also von links nach rechts gelesen. Bislang gilt das für alle verfügbaren Sprachen. Was aber passiert, wenn linksläufige Schriften beauftragt werden, z. B. Arabisch oder Hebräisch? Reicht es dann, die Software-Oberfläche einfach umzudrehen? (Wie das aussieht, zeigt Wikipedia: Rechtsläufig vs Linksläufig)
  • Manches geht in der Übersetzung verloren. Für viele Kunden eine wichtige Funktion in d.vinci sind Planstellen von Ausschreibungen. Im Austausch mit anderen Systemen wie SAP werden Bewerbungen gerne über Planstellen zugeordnet. Die entsprechenden Felder haben wir in alle Sprachen übersetzt. Jedoch, die Planstelle ist eine deutsche Erfindung mit historischem Hintergrund (Hallo Beamtentum!). Wie verständlich sind diese Übersetzungen wohl in Ländern, die das Konzept der Planstelle nicht kennen?
  • Und was ist mit dem Gendering, also der geschlechtergleichberechtigten Sprache? Ende 2018 hat Deutschland das dritte Geschlecht „Divers“ gesetzlich anerkannt. Damit entbrannte auch eine gesellschaftliche Debatte um geschlechtliche Sprache. In d.vinci Produkten wird weiterhin das generische Maskulinum benutzt, also die männliche als geschlechtsneutrale Form. Ist das noch zeitgemäß? Warum ändern wir das nicht „einfach mal eben“? Und wie machen das die anderen Sprachen? Wie soll für andere Länder „Divers“ sinnvoll übersetzt werden, wenn für das nötige Verständnis die diskursive Grundlage in der Gesellschaft fehlt? Gesellschaftspolitische Fragen zu beantworten ist nicht unsere Aufgabe. Aber für eine qualitative Übersetzung können wir das auch nicht einfach ignorieren.
  • Kulturunterschiede finden nicht zwangsläufig hinter Landesgrenzen statt. Was ist mit Höflichkeitsformen? In Deutschland wird klassischerweise gesiezt. Aber genauso wird in vielen Unternehmen geduzt, und Software kann auch Unternehmenskultur sein. Da passt es nicht immer, wenn die Benutzer vom d.vinci System gesiezt werden. Warum können wir das nicht flexibel gestalten, so dass jedes Unternehmen für sich entscheiden kann?
  • Software hat keine gesetzlichen Vorgaben für Sicherheitshinweise. Aber auch wir haben Warnhinweise – z. B. rote Fehlermeldungen. In Deutschland erscheint das einleuchtend. Aber wussten Sie, dass in manchen Ländern rot eine positive Assoziation hat? Im schlimmsten Fall werden rote Warnungen dort nicht als solche erkannt. Ähnliches gilt für andere Farben und auch Icons. Müssen wir kulturspezifische Symbol- und Farbbedeutungen berücksichtigen?
  • Es gibt auch ganz triviale Anforderungen an die Lokalisierung. Z. B. die Anpassung von Datums- und Zeitformaten, Zeitzonen, Maßeinheiten, Währungen, Adressformaten etc.

Die Antworten auf solche Fragen und die Lokalisierung allgemein sind nicht immer leicht.

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