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Was macht eigentlich ein Agile Coach bei d.vinci?

Wir bei d.vinci sind eine bunte Mischung aus verschiedenen Teams und Aufgaben.

Was macht eigentlich ein Agile Coach bei d.vinci?

Warum uns jede einzelne Position so wichtig ist und warum jeder zum Gesamterfolg der Firma beiträgt, klären wir in diesen Interviews. Heute stellen wir die Rolle des Agile Coachs vor, die Andrea bei uns einnimmt.

Hallo Andrea! Schön, dass du dir die Zeit nimmst. Stell dich doch mal kurz vor.
Hallo Lara, vielen Dank für die Einladung zu diesem Interview. Mein Start bei d.vinci war im September 2020. Zuvor war ich Agile Coach für die Entwicklungsabteilung bei einem Kreditvergleichsportal. Das Spannende sind allerdings nicht die harten Lebenslauffakten, sondern die bewusste Entscheidung beruflich nochmal was ganz Neues zu wagen. Ich würde mich daher als unerschrocken, konfrontativ und empathisch bezeichnen. Oder wie würdest du mich beschreiben, liebe Lara?

Du bist ja noch nicht so lange in der Rolle des Agile Coach bei d.vinci. Warum wolltest du diese Rolle gerne einnehmen? Was schätzt du besonders?
Okay, an dieser Stelle wäre dann der kleine Rückblick notwendig. 😉 Ich war 12 Jahre Corporate Communication Designer. Als Team- und Abteilungsleiterin begegnete ich tagtäglich unterschiedlichen Menschengruppen: Mitarbeitende, Lernende, Projektleiter:innen- und manager:innen, Führungskräften, Dienstleistern und Kunden aus diversen Abteilungen. Initialzündung, würde ich sagen, war allerdings die Ausbildung zum Ausbilder. Ich hatte dort neue Methoden gelernt und erfuhr, wie diese Ansätze mir das Jonglieren der unterschiedlichen Ansprüche und Bedürfnisse mit den Menschen erleichterten. Irgendwann hatte ich dann etwas über Scrum gelesen und die Erleuchtung, dass vieles daraus bereits meine Praxis ist.
Ich spürte, dass ich vor der Entscheidung stand, etwas komplett Neues auszuprobieren. Weil sich Mut und Sicherheit bei mir die Waage halten, kalkulierte ich Vor-und Nachteile und kündigte meine sichere Festanstellung. Erzählt sich jetzt leicht, mir ging ganz schön die Muffe. Meine Divise: „zurück kannste immer, dann haste es zumindest probiert.“

Nun hieß es lernen, lernen, lernen. Es folgten diverse Ausbildungen und immer mehr die Erkenntnis, dass Kommunikation nicht nur ein agiler Wert ist, sondern dass man bei ähnlichen Herausforderungen auf ähnliche Lösungen kommt. Je komplexer die Anforderungen, und hier ist es extrem wichtig komplex von kompliziert zu trennen (für alle neugierigen: googelt gerne Cynefin-Modell), so zeigt sich für mich, wenn ich agieren anstatt reagieren will, muss ich wissen, wie ich Komplexität begegnen kann.

Was machst du in deiner Position? Worum kümmerst du dich hauptsächlich?

Jetzt könnte man sagen, ich versuche der VUCA-Welt und Komplexität mit Agilität zu begegnen, aber es gehört noch viel mehr dazu. Es geht um eine Haltung. Es geht darum, die Kollegen dafür zu begeistern, dass komplexe Probleme nicht alleine gelöst werden können, sondern Teamarbeit benötigen. Und Teams brauchen ein cooles Miteinander und eine Organisationsform die Schnelligkeit zulässt. Jetzt könnte man unken, „in Teams arbeiten wir schon lange“. Das stimmt sogar, aber hier ist sehr viel verstecktes Potenzial. Es gibt oft alte nicht hinterfragte Prozesse, es fehlt oft das Bewusstsein für Teamphasen (Tuckman). Selten wird sich reflektiert oder experimentiert. Skills sind nicht transparent, Feedback wird gescheut usw.

Als Agiler Coach beobachte ich, stelle Hypothesen auf und versuche zu befähigen, die richtigen Änderungen gemeinsam anzugehen. Dabei sind Freiwilligkeit, Vertrauen, Sicherheit und Bestärkung die Basis. Ein positives Menschenbild ist essentiell.

Gibt es auch mal Herausforderungen oder Situationen, die dich länger beschäftigen?

Da ich auch die Organisations-Transformation begleite, ist es nur logisch, dass mich dieses Thema zum Beispiel länger beschäftigt. Es gibt keinen fertigen Fahrplan, den man einfach für jede Organisation nutzen kann. Und so nutzen wir das iterative Vorgehen, um einer agilen Organisation Stück für Stück, an unsere Bedürfnisse angepasst, näher zu kommen. Man ist hier im Grunde auch nie wirklich fertig. 😊

Herausforderungen, die einen langen Atem brauchen, begegnen mir häufig auch auf Team-Ebene. Die Kollegen sind das Thema leid, keine Lösung in Sicht, ein riesiger Gordischer Knoten, wie mir neulich ein Kollege sagte und auch hier, man kann der Komplexität nur mit kleinen Schritten begegnen. Wenn man dann noch Methoden und Erkenntnisse aus unterschiedlichen Change Management Methoden einflechtet, ist plötzlich doch vieles möglich.

Besonders beschäftigt mich aber, wenn Kollegen mir aufgrund von psychologischer Sicherheit tiefe Seelen-Einblicke geben. Da brauche ich dann schon ein/zwei Methoden mehr, um mich persönlich erneut mit frischer Energie aufzuladen, um dann eben auch die richtige Hilfestellung geben zu können. Hier ist es auch wichtig zu wissen, dass ich eben kein Therapeut bin, sondern Agile Coach.

Warum ist die Position des Agile Coaches so wichtig?

Ich habe das in den vorherigen Antworten schon angerissen. Die Flüchtigkeit, die Unsicherheit, die Mehrdeutigkeit und die Komplexität der Umwelt bedürfen einer neuen Orientierung. Und ein Teil davon ist die Arbeit des agilen Coaches. Außerhalb eines Teams zu sein, erleichtert es die Bedürfnisse und Erwartungen von Kunden, Kollegen und Unternehmen zu erkennen und beim Balancieren zu befähigen, und zwar durch Bestärkung der Selbstwirksamkeit.

Wie profitieren unsere Kund:innen und Kolleg:innen von der Rolle des Agile Coach?

Ganz konkret, dass eben die Bedürfnisse und Erwartungen richtig verstanden und gemanaged werden. Manchmal ist dazu Einzelchoaching auf Individuen-Ebene notwendig, manchmal sind das neue Formate um Wissen zu teilen, an anderer Stelle baut man Hindernisse ab.

Was sind deine wichtigsten Arbeitsinstrumente?

Grad in der Mobile Office Phase geht nichts über digitale Whiteboards, stabile Internetverbindungen und Video-Chats. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, auch hier spielt Haltung eine Rolle. Ich gehe immer wieder raus in die Welt, hole mir Impulse von außen, von Coaches aus meinem Netzwerk, von Diskussionen, Literatur etc. Sowie Rückmeldungen in jeglicher Art, Feedback ist ein starkes Arbeitsinstrument, um auch mich stets zu verbessern. Ich klammere mich selbst bei sämtlichen agilen Werten, Prinzipien und Methoden nicht aus.

Was machst du, wenn du „Baustellen“ erkennst? Wie gehst du da heran?

Baustellen kann ich nur entdecken, wenn ich beobachten darf. Also ist der erste Schritt, um Erlaubnis zu bitten, beobachten zu dürfen. Danach spreche ich eine Einladung aus, um meine Beobachtungen zu teilen. In den meisten Fällen wird das gerne angenommen. Ist das nicht der Fall, mache ich ein Angebot zur Diskussion, warum die Einladung abgelehnt wurde. So erfährt man die vorgelagerten Gründe und kann die „wirklichen“ ersten Baustellen aus dem Weg räumen, bevor man auf die „neuen Beobachtungen“ eingeht. Authentisch Zuhören eröffnete mir aus Erfahrung heraus Türen. Die Kollegen können aber eben auch darauf vertrauen, das empfindliche Informationen vertraulich sind und unter der „Las Vegas-Regel“ Schutz finden. („Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas“). Zudem habe ich eine gewisse Sensibilität bei der Wahrnehmung. Ob Talent oder selbst weiterentwickelt kann ich gar nicht sagen. Gepaart damit auch ohne Scheu auf unangenehme Themen zu schauen, bin ich mit einem wohlwollenden Frühwarnsystem ausgestattet

Erzähl mal: Wie sieht ein klassischer Arbeitsalltag von dir aus? Gibt es Dinge, die sich wiederholen oder ist jeder Tag anders?

Aus dem Scrum-Framework ergeben sich ein paar Artefakte, die sich wiederholen. Wenn ich dafür einen Dauerauftrag des Teams erhalten habe, sind das meist Moderation eben dieser. (Retro, Planning, Refinement etc.) Zudem gibt es, etwas im Voraus geplante Angebote, zum Beispiel um Wissen zu teilen. Dieses Format nennt sich bei mir Aufschlauungs-Workshops. Mit einer ersten initialen Umfrage, habe ich so den Bedarf geklärt und Angebote geschaffen. Aber es gibt eben auch ungeplante Anforderungen an mich. Ein Missverständnis zwischen zwei Kollegen bedarf beispielsweise einer Mediatoren-Rolle und zwar zeitnah, um weitermachen zu können. Im Grunde habe ich ein gut gefülltes Auftragsbuch für ca. 3 Wochen mit wiederkehrenden und spontanen Aufgaben. Ebenso gibt es inhaltliche Arbeit an Teams und der Organisation, die ihren Platz finden, ob rhythmisch oder im Block hängt dann oft vom Inhalt ab. Über eine quartalsweise Fokussierung spreche ich dann mit meiner Chefin, Nina. So arbeite ich an den vereinbarten Themenschwerpunkten, die sich durch Beobachten ergeben. Viele kennen das unter OKR’s oder Targets und Priorities.

Vielen Dank für die spannenden Fragen und das Interesse an meiner Arbeit, liebe Lara.

Danke Dir Andrea für den vielseitigen Einblick und deine Offenheit. Schön, dass du an Board bist und uns an vielen Stellen so toll unterstützt!

Wenn Sie wissen möchten, was ein Datenschutzberater bei d.vinci macht, geht’s hier zum Interview: Interview Datenschutzberater

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