Messe Personal Nord – Pflicht oder Kür?

Alle Jahre wieder öffnet die Personal Nord ihre Tore in Hamburg. Der Slogan „Das HR-Event in Hamburg“ lässt Großes erwarten. Was man als Besucher dann vorfindet, ist allerdings alles andere als groß. Die Messe, die in diesem Jahr nicht wie sonst im CCH sondern in den Messehallen statt fand, füllte gerade mal eine kleine Halle. Und wer die Messe regelmäßig besucht, stellt schnell zwei Dinge fest: Es ist irgendwie jedes Jahr das gleiche und die Aussteller werden – zumindest gefühlt – immer weniger.

Was hat sich auf der Messe verändert?

In diesem Jahr fällt es ganz besonders auf, dass die großen Jobbörsen, die sonst den Eingangsbereich der Messe dominiert haben, deutlich auf dem Rückmarsch sind. Lediglich StepStone und indeed machen noch mit großen Ständen auf sich aufmerksam. Unter dem Hallendach kreist sogar ein kleiner Zeppelin und lockt die Besucher auf den StepStone-Stand, wo man wie in jedem Jahr die aktuelle Trendstudie „Jobs nach Maß – Was Fachkräfte wollen“ erhält. Aber wo sind die anderen Jobbörsen, die sonst ebenfalls mit großen Präsentationsflächen vertreten waren? Weder Monster noch Jobware sind vor Ort, zumindest nicht mit einem eigenen Stand. Scheinbar ist die Teilnahme an der Personal Nord für die Anbieter nicht mehr so relevant und die Anbahnung neuer Geschäftskontakte funktioniert eher auf anderen Wegen. Auffällig auch: nicht ein einziger Verlag ist mehr auf der Personal Nord vertreten. Wo früher noch Stände des Hamburger Abendblattes oder der FAZ zu finden waren, ist heute von der Branche Print praktisch nichts mehr zu sehen. Eine Ausnahme hierzu bildet übrigens die W&V, die die Fahne der Fachmedien nach wie vor hoch hält.

Welche Aussteller halten die Treue?

Aber wer ist denn nun auf der Personal Nord, wenn die Jobbörsen es nicht mehr sind? Auffällig ist, das scheinbar immer mehr Softwareanbieter die Plattform für sich nutzen. Die gängigen Bewerbermanagementsysteme waren ja schon immer gut vertreten, aber in diesem Jahr waren auch viele kleinere Anbieter und Start-Ups zu finden. Hinzu kommen zahlreiche Anbieter von Programmen für Zeitmanagement, HR-Organisation oder die Verwaltung von Bewerberakten. Und noch ein Bereich ist auf der Personal Nord auf Wachstumskurs: Die Anbieter für Weiterbildungen, Coachings, Incentives, Tagungen oder sonstige Formen der Personalentwicklung nehmen quantitativ zu – scheinbar ist dies ein Thema, bei dem die Personalabteilungen einen Bedarf haben, auf den der Markt reagiert.

Was bietet die Messe sonst noch?

Das Rahmenprogramm der Personal Nord – immer wieder ein großes Thema und eine Vortragsliste, die sich durchaus sehen lassen kann. Auf verschiedenen Bühnen bietet die Messe fast durchgehend über 120 Fachvorträge, Podiumsdiskussionen und Expertenrunden. Hier wird diskutiert, ob Jobbörsen eine aussterbende Gattung sind (Fazit der Diskussion: sie sind es nicht!) oder ob Unternehmenskultur wichtig für den HR-Bereich ist (ist sie!). Als Zuhörer fragt man sich zwar manchmal, ob die Redner sich vorher Gedanken darüber gemacht haben, dass hier ein Fachpublikum zuhört, dass sich über neue innovative Impulse mehr freuen würde als über altbekannte Allgemeinplätze, aber im großen und ganzen bietet die Messe ein vielfältiges Programm.

Und die eigene Beteiligung?

Wie schon im Vorfeld angekündigt, hat auch d.vinci in diesem Jahr auf einen eigenen Stand in Hamburg verzichtet. Nicht aber auf den Besuch der Messe. Neben den obligatorischen Messebummeln, gezielten Standbesuchen und Gesprächen mit Kooperationspartnern haben wir in diesem Jahr auf fachliche Kompetenz gesetzt: CEO Wolfgang Tomek warf sich im Expertengespräch mit Dr. Stephan Schmid (Bereichsleiter von Kienbaum Management Consultants GmbH) die Bälle zu und diskutierte die fortschreitende Digitalisierung in Unternehmen und deren Auswirkungen auf den HR-Bereich. Ignorieren kann man dieses Thema wohl nicht – aber die HR-Abteilungen haben zumindest die Möglichkeit, aktiv auf die Arbeitswelt Einfluss zu nehmen. Dies ist sicherlich ein Thema, das viele Personaler umtreibt, denn sowohl die Erwartungen der Bewerber der Generationen X, Y und Z als auch die Anforderungen der Chefetagen an HR wachsen beständig. Wie man dem begegnen kann? Laut Aussage der Experten mit Agilität und Vertrauen und mit einer Personalarbeit, die transparent und aktiv im Unternehmen mitgestaltet.

Fazit

Früher war alles besser – oder eben gerade nicht? Auch wenn die Zusammensetzung der Aussteller auf einer Messe wie der Personal Nord sich über die Jahre verändert hat, bedeutet dies wohl nicht zwangsläufig, dass auch die Qualität leiden muss. Vielmehr scheinen die Bedürfnisse der Zielgruppe, also der HR-Abteilungen, sich verändert zu haben. Für die großen Medien und Anbieter von Onlineplattformen scheint es sich schlicht nicht mehr zu lohnen, die hohen Kosten für eine aktive Messebeteiligung zu zahlen. Das wird sicherlich auch einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Publikums haben – wir sind gespannt und blicken erwartungsvoll Richtung Personal Süd nach Stuttgart.

 

Teaserbild: (c) davis / fotolia.com

Christina Fuhrmann

Verfasser des Artikels: Christina Fuhrmann

Christina Fuhrmann arbeitet seit 2011 bei d.vinci und berät Kunden zum Thema Personalmarketing. Christina Fuhrmann beantwortet Rückfragen gerne unter: +49 41 08 – 43 400

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