Rekrutierung von IT-Fachkräften: Ein lästiger Dauerbrenner oder eine lösbare Aufgabe?

Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte ist aus Unternehmenssicht eines der schwierigsten Felder in Sachen Recruiting. Der Bedarf an qualifizierten IT-Mitarbeitern ist extrem hoch und die Zielgruppe ist gefragter denn je. Laut einer Studie der Jobbörse stepstone ist der Bedarf an IT-Fachkräften 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gestiegen. Insbesondere die Programmierung ist ein aufstrebendes Berufsfeld, das Durchschnittsalter aller Programmierer liegt bei 29 Jahren. Dennoch ist es für Unternehmen ein kräftezehrender Prozess, geeignete IT-Experten an Bord zu bekommen. Woran liegt das?

Laut einer aktuellen Studie (Juli 2015) der Bundesagentur für Arbeit mit dem Titel „Fachkräfteengpassanalyse“ kann „von einem generellen Fachkräftemangel nicht gesprochen werden“. Im Bereich Informatik und Softwareentwicklung besteht allerdings ein Mangel: Die Studie besagt, dass die durchschnittliche Vakanzzeit für IT-Fachkräfte 124 Tage beträgt. Diese Zahl liegt gut 51 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe.

(c) kurhan / fotolia.com

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Unternehmen müssen Kreativität im Recruiting beweisen

In vielen Unternehmen ist der Fachkräftemangel vor allem auf altmodische Rekrutierungsmaßnahmen und starre Rahmenbedingungen zurückzuführen. Es geht also darum, als Unternehmen bei der Personalbeschaffung für den IT-Bereich strategisch klug und zeitgemäß vorzugehen, um den geeigneten Kandidaten zu finden und für sich zu gewinnen. Mit einer Ausschreibung auf der Unternehmensseite oder auf den klassischen Jobportalen ist es häufig nicht getan. Vielschichtige Suchmethoden sind notwendig, um geeignete Kandidaten zu finden und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die meisten Stellenausschreibungen sehen auf den ersten Blick interessant aus, bieten aber im Detail keine ausreichenden Informationen. Besonders IT-ler wünschen sich sehr detaillierte Angaben zu Produkten, Software-Technologien oder dem Bürostandort, an dem sie arbeiten werden. Die Stellenbeschreibung sollte erkennen lassen, welche Inhalte und welches Umfeld der Bewerber erwarten darf.

Jedes Unternehmen ist auf seine Weise einzigartig. Um bei IT-Fachkräften auf Interesse zu stoßen, ist es enorm wichtig, die Einzigartigkeit und Besonderheit in der Unternehmenspräsentation, der Stellenausschreibung oder sonstigen Rekrutierungsmaßnahmen hervorzuheben. Möglichkeiten sind die besonderen Merkmale der gelebten Unternehmensphilosophie. Nur einige Beispiele seien hier genannt:

  • eine attraktive Balance zwischen Arbeit und Freizeit
  • moderne technische Ausstattung der Büroräume
  • eine flexible Home-Office-Politik
  • die vom Arbeitgeber bezahlte Mitgliedschaft im Fitness-Studio
  • der Obstkorb in der Büroküche
  • das Firmenhandy
  • die legendären Firmenfeiern

Durch solche Maßnahmen können Sie sich von anderen Unternehmen abheben. Aber Achtung: Was Sie anpreisen, muss der Bewerber später auch tatsächlich bei Ihnen vorfinden! Sie werden sehen, durch die Kommunikation solcher Benefits kann sich die Anzahl der interessierten Kandidaten deutlich erhöhen, da sich potenzielle Arbeitnehmer ein konkretes Bild des Unternehmens machen können und Teil davon werden wollen.

IT-ler wollen begeistert werden

Generell gilt: rund 55 Prozent der IT-Fachkräfte sind offen für neue Jobangebote. Um sich jedoch aus der Komfortzone eines sicheren Arbeitsplatzes heraus zu bewegen, muss die neue Perspektive extrem ansprechend sein und der Wechsel sich lohnen. Die Herausforderung für Unternehmen liegt also in der richtigen Ansprache und Platzierung von Maßnahmen, die darauf abzielen, IT-Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu begeistern.

Was genau also sollten Unternehmen tun? Sich auf jeden Fall der eigenen Stärken bewusst werden! Überlegen Sie sich doch einmal, warum Sie als Arbeitgeber attraktiv sind. Welche Benefits bieten Sie Ihren Mitarbeitern und warum ist es gerade im Bereich IT besonders spannend, für Sie zu arbeiten? Gibt es vielleicht Programme oder Technologien in Ihrem Unternehmen, die IT-ler besonders cool finden oder die eine besondere Herausforderung darstellen? Ihnen fällt nichts ein? Dann fragen Sie doch einfach mal an der Quelle nach: in der IT-Abteilung Ihres Unternehmens. Warum arbeiten Ihre Mitarbeiter gerne bei Ihnen? Was schätzen die Kollegen besonders, welche Vorteile sehen Sie für sich persönlich? Wenn Sie diese Fragen beantworten können und Ihr Arbeitgeberprofil geschärft haben, können Sie im nächsten Schritt über geeignete Maßnahmen nachdenken, um Ihre Wunschkandidaten zu erreichen.

(c) duncanandison / fotolia.com

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Maßnahmen zur zielgenauen Ansprache von IT-lern

Um die Suche nach IT-Mitarbeitern mit konkreten Maßnahmen zu unterstützen, ist eine sinnvolle Auswahl und Platzierung notwendig. Es sollte eine möglichst zielgerichtete Ansprache erfolgen. Vielfach kann es sinnvoll sein, den Fokus eher auf den Online-Bereich zu legen, da hier ein breiterer Wirkungsradius gewährleistet ist.

Die Schaltung einer Imageanzeige in einem IT-Fachmagazin (Print) ist hingegen eine Maßnahme, die mit sehr hohen Kosten verbunden ist, aber lediglich eine sehr kleine Zielgruppe erreicht (und das nur für einen kurzen Zeitraum). Das Gleiche gilt für Außenwerbung. Um als Arbeitgeber mit dieser Marketingform auf sich aufmerksam zu machen, bedarf es einer bundesweit angelegten Kampagne mit diversen Standorten und einem großen Aufgebot an Plakaten und/oder Flyern. Das soll nicht heißen, dass diese Maßnahmen per se nicht funktionieren, aber bevor es an die Auswahl geht, muss genau geprüft werden, wo sich die Zielgruppe aufhält, die angesprochen werden soll. Und natürlich spielt auch das vorhandene Budget an dieser Stelle eine entscheidende Rolle.

Welche Maßnahmen nun für welches Unternehmen tatsächlich die geeigneten sind, kann hier wohl kaum pauschal beantwortet werden. Aber kreativ an die Sache heran zu gehen, ist sicherlich der richtige Weg und mit einer guten Strategie, einem fundierten Marketingkonzept und ggf. einem kompetenten Partner an der Seite wandelt sich die Suche nach den vermeintlich verschollenen IT-Fachkräften gewiss bald von einem lästigen Dauerbrenner zu einer lösbaren Aufgabe.

 

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Christina Fuhrmann

Verfasser des Artikels: Christina Fuhrmann

Christina Fuhrmann arbeitet seit 2011 bei d.vinci und berät Kunden zum Thema Personalmarketing. Christina Fuhrmann beantwortet Rückfragen gerne unter: +49 41 08 - 43 400

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